Fürs «Rümeli» in den Nahkampf
Mariya Stamatova und Tina Steiner haben neu die Leitung des Angebotes «Boxen für Frauen» im BTM Fitness-Center in Rümlang übernommen. Der «Rümlanger» hat ein Schnuppertraining besucht.
Der "Rümlanger" hat ein Schnuppertraining in Frauenboxen besucht.
Mariya Stamatova und Tina Steiner haben neu die Leitung des Angebotes «Boxen für Frauen» im BTM Fitness-Center in Rümlang übernommen. Der «Rümlanger» hat ein Schnuppertraining besucht.
Rümlang. Gewisse Dinge muss man am eigenen Leib erfahren, um herauszufinden, ob sie Spass machen. Das gilt auch fürs Boxen: ein Sport, der gemischte Gefühle auslöst, vom körperlichen Schmerz bis zur Freude am Zuschlagen. Als ehemalige, begeisterte Eishockey-Spielerin kenne ich dieses Spannungsfeld, bin aber dem Körperkontakt stets gerne ausgewichen. Deshalb mochte ich die Center-Position weit weg von der Bande.
Das Angebot «Boxen für Frauen» im BTM Fitness Rümlang weckt dennoch mein Interesse. Mariya Stamatova und Tina Steiner haben neu die Leitung des Frauenboxens übernommen und bieten auch Schnuppertrainings an. Das ist eine gute Gelegenheit für einen Selbstversuch.
Mariya und Tina begrüssen mich herzlich. In der Box-Gruppe sind sich alle vertraut und geben mir schnell das Gefühl dazuzugehören. «Hier geht es zu wie in einer Eishockey-Garderobe», sagt eine Teilnehmerin, die, wie sich herausstellt, ebenfalls jahrelang den Puck gejagt und nun zum Boxen gewechselt hat. Mir ist klar, was sie meint: Obwohl Boxen ein Einzelsport ist, herrscht ein guter Teamgeist. Der gemeinsam vergossene Schweiss schweisst zusammen. Und Schweiss fliesst bald reichlich.
Zuerst steigen die Frauen auf Fitness-Geräte, um sich aufzuwärmen. Ich entscheide mich für den Crosstrainer. Neben mir sprintet eine junge Krankenpflegerin und Mutter an Ort. Sie habe lange nach einem Sport gesucht, der ihr liege. Mit dem Boxen habe sie endlich einen gefunden, erzählt sie. Sie trainiere regelmässig auch mit den Männern. Den Schmerz bei einem kräftigen Treffer, könne sie wegstecken. «Man gewöhnt sich dran», sagt sie. Davon bin ich weit entfernt und ich frage mich, wie stark die dick gepolsterten Handschuhe verhindern, dass es weh tut. Eine Antwort bekomme ich kurz darauf: Ich soll meine Hände mit 4,5 Meter langen Bandagen einbinden, damit sich die Knöchel nicht wundreiben, sagt Mariya und zeigt mir geduldig, wie ich den Verband um jeden einzelnen Finger und die Handgelenke wickeln muss.
Nach 15 Liegestützen ist Luftboxen mit kleinen Hanteln angesagt und nach einer Runde «Planken» strecken wir die Arme mit 5 Kilogramm schweren Gewichtscheiben vor und zurück bis die meisten ächzen. Danach nimmt Mariya die blutigen Anfängerinnen in ein separates Coaching. Sie zeigt uns, wie man das Gesicht mit dem dicken Handschuh am Kinn schützen muss. «Wenn dich hier einer richtig trifft, bist du K.O. oder schlimmer.» Beunruhigend, denke ich, und vermisse Hockey-Helm und Plexiglas-Scheibe. Mariya zeigt die Grundschläge vor: Jab, Cross, Hook, Uppercut und wie man dabei die Fäuste führt. Ich ziele mit Luftschlägen auf Brusthöhe meines Spiegelbildes und die Trainerin korrigiert: «Du musst weiter oben schlagen. Beim Boxen ist der Kopf das Ziel.» «Autsch», denke ich und das «Sparring», das für den Schluss des Trainings angekündigt ist, bereitet mir langsam Sorgen. Es sei kein Wettkampf, beruhigt mich Marya und niemand schlage voll zu. In ihre gepolsterten Pratzen zu hauen und auf den Box-Sack einzuprügeln wirkt jedenfalls befreiend und macht Spass. Ich spüre, wie mein Kampfgeist erwacht.
Zwischendurch schnappen wir mehrmals das Springseil und treiben hüpfend den Puls in die Höhe, denn Beinarbeit und Kondition sind beim Boxen ebenfalls wichtig. Da ich regelmässig jogge, würden Oberschenkel, Waden und Herz wohl mithalten, aber ich finde nicht in den Flow - das Springseil ist dauernd im Weg und verwickelt sich um meine unkoordinierten Füsse.
Das Training ist vielseitig und abwechslungsreich mit Kraft, Ausdauer, Koordination und Technikteilen. Frauen jeden Alters, die fit werden, Selbstvertrauen aufbauen und eine offene, sympathische Gemeinschaft finden wollen, kommen bei Mariya und Tina in Rümlang auf ihre Kosten.
Am Schluss des Trainings umarmen sich alle gegenseitig. Im Boxsport ist das ein Zeichen des Respektes nach einem harten aber fairen Zweikampf. Wie das «Sparring» verlaufen ist? Ich konnte aufatmen - aus Zeitgründen ist es entfallen, aber vielleicht hole ich die Nahkampferfahrung in einem zweiten Schnuppertraining nach.
Das Boxen für Frauen findet jeweils am Montag und Freitag, um 19 Uhr, im BTM Fitness, Riedgrabenstrasse 20, in Rümlang statt. Weitere Informationen auf borntomove.ch.
Bernadette Dettling
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