Gemeindepräsident Thomas Huber am Rednerpult. Bild: Janik Schmid
05.12.2025 08:00
Masterplan für Schul- und Sportraumplanung steht fest
In Rümlang sorgt ein 110-Millionen-Projekt für einen vollen Gemeindesaal und hitzige Diskussionen. Der neue Masterplan für Schulen und Sportanlagen verspricht der Bevölkerung viel – und fordert von ihr viel.
Rümlang. Der Gemeindesaal in Rümlang war am Mittwoch vergangener Woche prall gefüllt, denn das geplante Projekt, das besprochen wurde, interessiert – und polarisiert. Nicht zuletzt, weil es um enorm viel Geld geht: rund 110 Millionen Franken. Vorgestellt wurde der Masterplan für die Gebietsentwicklung Worbiger/Heuel, der die Schul- und Sportraumplanung der nächsten Jahre festlegt.
Gemeindepräsident Thomas Huber eröffnete die Infoveranstaltung. «Rümlang hat viele alte Häuser», begann er, «und viele Renovationen und Neubauten können nicht länger hinausgeschoben werden.» Die Gemeinde habe schon sehr lange auf notwendige Investitionen gewartet – insbesondere bei den Schulen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinde, der Primarschule, der Sekundarschule und des Projektteams führte er durch die Ausgangslage: eine wachsende Bevölkerung, stark ausgelastete Schul- und Sportanlagen und ein Sanierungsstau, der sich über Dekaden aufgebaut hat.
Nadia Koch, Präsidentin der Primarschule, zeigte die Situation der Primarstufe auf. Die Vision: eine moderne, zukunftsorientierte Bildungs- und Sportlandschaft für Rümlang sei nötig, ebenso eine nachhaltige Infrastruktur mit Wachstumspotenzial. Denn die Prognosen sprechen eine deutliche Sprache: Heute besuchen 556 Kinder die Primarschule und den Kindergarten in Rümlang, im Schuljahr 2037/38 sollen es 737 sein. Insgesamt ergibt das neun zusätzliche Klassen – und entsprechend mehr Räume für Betreuung, Heilpädagogik, Gruppenunterricht, Tagesstrukturen und Co. Der Standort Worbiger weist dabei erheblichen Sanierungsbedarf auf. Barrierefreiheit müsse hergestellt und die Raumstrukturen an moderne pädagogische Konzepte angepasst werden.
Für die Sekundarstufe sieht es ähnlich aus. Gertraud Eiholzer, Präsidentin der Sekundarschule Rümlang-Oberglatt, erklärte, dass die Sek bis 2037/38 um acht Klassen wachsen werde – von heute 12 auf 20 Klassen. Die Sek soll deshalb einen kompletten Neubau erhalten. Die Gemeinde stellt dafür zwei Parzellen im Entwicklungsgebiet Worbiger/Heuel im Baurecht zur Verfügung. Damit werde den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schulstufen endlich Rechnung getragen.
Ein zentraler Bestandteil des Masterplans ist auch die neue Sportregion Heuel. Dort sollen Schule, Vereine und Bevölkerung künftig eine gemeinsame, moderne Infrastruktur erhalten. Rümlang verfügt heute über fünf Hallen, von denen drei sanierungsbedürftig seien – und selbst sanierte Hallen würden die Bedürfnisse nicht erfüllen. Vereine wünschen sich seit Jahren eine Turnhalle, die den BASPO-Normen – also den Richtlinien und Empfehlungen des Bundesamtes für Sport in der Schweiz – entspricht, turniertauglich ist und Platz für Veranstaltungen bietet. Darum sieht der Masterplan eine neue Mehrzweckhalle im Heuel vor, die eine Dreifachsporthalle und eine Tribüne für Sporttage, Turniere und kulturelle Anlässe sein wird.
Auswirkungen auf Steuern
Die Projektverantwortlichen Pascale Schuler (ProjektBeweger) und Alice Hucker (RINCKER Architekten) zeigten anschliessend den Erarbeitungsprozess auf – von der Schulraumprognose über Studien bis zur heutigen Präsentation. Die Umsetzung ist in Etappen bis 2032 vorgesehen.
Gemeinderat Roland Niesper erläuterte, wie das Grossprojekt organisatorisch aufgestellt wird: Ein Steuerungsausschuss, eine klare Kommunikation zwischen diesem und der politischen Gemeinde Rümlang wie auch der Sekundarschule Rümlang-Oberglatt sowie mehrere Teilprojektleitungen auf strategischer und operativer Ebene. Finanziell und politisch sieht der Fahrplan so aus: Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 110 Millionen Franken. Die Gemeinde Rümlang trägt etwa 75 Millionen Franken, davon 45 Millionen für die Sanierung der bestehenden Gebäude der Primarschule im Areal Worbiger. Der Rest – rund 30 Millionen Franken – für die Mehrzweckhalle. Die Kostenschätzung der Sekundarschule: 35 Millionen Franken, verteilt auf Rümlang und Oberglatt im Verhältnis zur Bevölkerung. Dies gäbe in Rümlang demzufolge eine Steuererhöhung im Jahr 2026: Für die politische Gemeinde +5 Prozentpunkte, für die Sekundarschulgemeinde +2 Prozentpunkte. Abweichungen seien möglich, da es sich um frühe Schätzungen handelt.
Moderator Andreas Stutz leitete zum Schluss die Diskussion. Viele Fragen tauchten aus dem Publikum auf, eine davon vermehrt: Was passiert, wenn die Bevölkerung das Projekt ablehnt? Die Antwort der Verantwortlichen war deutlich: «Dann müssen wir Provisorien aufstellen – denn die Kinder werden da sein.» Das wäre langfristig teurer – und keine nachhaltige Lösung. Einen anderen «Plan B» gäbe es in diesem Sinne nicht. Ob das Projekt nicht auch anderweitig mitgetragen werden könne, anstatt nur die Steuern zu erhöhen, beantwortete Gemeindepräsident Huber damit, dass vielleicht Sponsoren für die Mehrzweckhalle oder zusätzliche Alternativen infrage kämen – es werde geprüft, was sich machen lasse.
Ebenfalls seien Verkäufe bisheriger Schulgebäude ins Auge zu fassen, beispielsweise des heutigen «Horts». «Im Betrieb könnten dann auch in Zusammenarbeit mit den Hotels Trainingslager, zum Beispiel für Nationalteams, zusätzliche Einnahmequellen sein», führte Huber weiter aus.
Zudem werde bei den Ausschreibungen nochmals genau auf die Kosten geachtet. Doch eine Steuererhöhung scheine unumgänglich zu sein, um das Projekt zu realisieren.
Wie geht es weiter?
Am 4. Dezember wurde eine Begleitgruppe für die Mehrzweckhalle gegründet, und bereits im Frühjahr wird es eine weitere Infoveranstaltung sowie am 16. März eine Gemeindeversammlung geben, an der die Bevölkerung über die entsprechenden Wettbewerbskredite für die Mehrzweckhalle in der Höhe von rund einer halben Million Franken abstimmen kann.
2027 folgen die Projektierungskredite und – falls die Bevölkerung zustimmt – kann die Umsetzung des Projekts zur Mehrzweckhalle im Jahr 2029 starten und würde 2031 enden.
Wenn alles nach Plan läuft, könnten die Wettbewerbskredite (ebenfalls rund eine halbe Million Franken) für die Sanierung der Primarschule Worbiger im Jahr 2029 vergeben werden, und die Realisierung könnte im Jahr 2032 beginnen.
Beim anschliessenden Apéro wurde angeregt weiterdiskutiert. Alle erkannten die Dimensionen des Projekts. Einige wiesen besorgt auf die Steuererhöhung oder andere «Mängel» im Masterplan hin. Andere zeigten sich couragiert, die über Jahrzehnte aufgeschobenen Investitionen nun endlich anzugehen. Eins wurde an diesem Abend klar: Rümlang steht vor einem Mammutprojekt. Ob und wie es Realität wird, entscheidet die Bevölkerung etappenweise, beginnend im kommenden Frühjahr.
Janik Schmid