Rümlang hadert mit dem Masterplan
Der 110-Millionen-Masterplan für Schul- und Sportraum in Rümlang sorgt für Diskussionen. Nun werden zentrale Abstimmungen verschoben.
Viele Debatten rund um den Schul- und Sportraum. Bild: zvg
Der 110-Millionen-Masterplan für Schul- und Sportraum in Rümlang sorgt für Diskussionen. Nun werden zentrale Abstimmungen verschoben.
Rümlang-Oberglatt. In Rümlang und Oberglatt geht es um viel: Der Masterplan für die Gebietsentwicklung Worbiger/ Heuel soll die Schul- und Sport-raumplanung der nächsten Jahre festlegen. Ausgangslage sind eine wachsende Bevölkerung, stark ausgelastete Schul- und Sportanlagen sowie ein Sanierungsstau, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. Die Primarschule muss renoviert werden, es braucht ein neues Sekundarschulgebäude sowie eine neue Mehrzweckhalle. Hohe Investitionen und weitreichende Veränderungen stehen im Raum – nicht alle sind damit zufrieden.
Eigentlich hätten an der Schul- und Gemeindeversammlung am 16. März Wettbewerbskredite für eine neue Mehrzweckhalle und ein neues Sekundarschulhaus zur Abstimmung kommen sollen. Informationsveranstaltungen waren für den 4. und 5. März geplant. Doch zuerst verschob der Gemeinderat die Abstimmung über den Kredit für die Mehrzweckhalle, nun zieht auch die Sekundarschulpflege Rümlang-Oberglatt nach: Die Vorlage zum Wettbewerbskredit für das Sekundarschulhaus sowie die Informationsveranstaltungen darüber werden ebenfalls vertagt. Die Sekundarschulversammlung am 16. März findet dennoch statt – allerdings ohne dieses Traktandum. In einer Medienmitteilung teilt die Sekundarschulpflege mit, dass durch die Verschiebung der Abstimmung über die Mehrzweckhalle die Sekundarschule zeitlichen Spielraum erhält, um offene Fragen im Zusammenhang mit dem Neubau vertiefter abzuklären. Die Sekundarschule verschiebe deshalb auch, «weil sich die Ausgangslage verändert hat und vor einer Abstimmung zentrale Grundlagen noch nicht ausreichend geklärt sind», erklärt Gertraud Eiholzer, Präsidentin der Sekundarschulpflege Rümlang-Oberglatt. Da der Gemeinderat den Wettbewerbskredit für die Mehrzweckhalle verschoben hatte, falle die bisher als entscheidend bezeichnete Parallelität der beiden Vorhaben weg.
Zu den zentralen Grundlagen, die noch geklärt werden müssten, gehören einerseits die Abklärungen zum angestrebten Baurechtsvertrag mit der politischen Gemeinde Rümlang. «Das Grundstück ist nach heutigem Stand noch nicht rechtsverbindlich gesichert», so Eiholzer. Andererseits geht es um die Entwicklung einer Übergangslösung ab August 2030. Ein solches Provisorium würde nötig, wenn der Sekundarschule an diesem Termin noch kein neues Schulhaus zur Verfügung stehen würde. Das heutige Mietverhältnis im Primarschulhaus Rümlang wurde von der politischen Gemeinde per August 2030 gekündigt, weil die Gemeinde ihr Schulhaus für zusätzliche Primarschulklassen benötigt. Es gehe also nicht um Uneinigkeit, «sondern darum, dass die erforderlichen politischen Schritte und die zeitliche Sicherung noch nicht ausreichend konkret sind».
Gemeindepräsident Thomas Huber zeigt sich überrascht: «Wir sind erstaunt über den Beschluss der Sekundarschulbehörde. Aus Sicht des Gemeinderats sind die zentralen Fragen des Baurechts geklärt.» Man habe sowohl über den Landpreis als auch über den Baurechtszins gesprochen und sei sich «über die Grössenordnung einig». Offen sei lediglich gewesen, «wieviel Bauland genau benötigt wird – und genau dafür hätte es den Projektwettbewerb gebraucht». Erst mit einem konkreten Projekt lasse sich der definitive Landbedarf und damit der Vertrag fixieren.
Auch bei der Frage einer möglichen Übergangslösung ab August 2030 sieht Huber keine unüberwindbaren Hürden. Zwar habe man den Mietvertrag für die Benutzung des Primarschulhauses formell kündigen müssen. «Aber es ist durchaus möglich, dass die Sekundarschule länger im Primarschulhaus bleiben kann. Und wenn das nicht klappt, finden wir eine andere Lösung.»
Die Verschiebung des Wettbewerbskredits für das Sekundarschulhaus führe nun «definitiv zu einer Verzögerung», so Huber. Das Szenario eines Provisoriums rücke damit «leider etwas näher». Eiholzer betont, man «ziehe das Projekt nicht in die Länge», sondern «reduziere das Risiko eines Nein-Votums aufgrund offener Fragen».
Zur Mehrzweckhalle sagt Huber, dass sich im Austausch mit den Vereinen gezeigt habe, «dass vor allem die Parkplätze und die Verkehrsführung noch nicht zufriedenstellend gelöst sind». Aber auch die Kosten müssten nochmals geprüft werden, indem man das Raumprogramm gemeinsam mit den zukünftigen Nutzenden weiter schärfe.
Nicht von wenigen Rümlanger Vereinen kommen bislang Bedenken und auch Widerstand. Daniel Hinnen, Präsident des Armbrustschützenvereins, sagt: «Der ASV Rümlang ist mit dem Planungsperimeter des Projekts, der Erschliessung über die 30er-Zone sowie der Erstellung des grossen Parkplatzes nicht einverstanden und wehrt sich dagegen, dass sein Schiessstand und seine Schützenstube dadurch abgebrochen und verschoben werden müssten.»
Heinz Nesshold vom Sportverein Rümlang erklärt: «Grundsätzlich ist der Vorstand des SVR positiv gesinnt für eine neue finanzierbare Mehrzweckhalle.» Der Verein brauche dringend neue oder zusätzliche Garderoben und zwei dauernd bespielbare Fussballplätze. In einer neuen Halle könne man das Garderobenproblem gut abfedern. Skeptisch sei man jedoch «gegenüber dem geplanten Ort der Halle in dieser Dimension, dem Ort der Parkplätze und des Verkehrsflusses über die Gemeindestrasse mit ihrer 30er-Zone anstelle der Kantonsstrasse». In der Begleitgruppe der Vereine seien «praktisch alle gegen den vorgeschlagenen Ort der Parkplätze und des Verkehrsflusses» gewesen, sagt Nesshold.
Für den SVR würde das Projekt bedeuten, dass einer der beiden Fussballplätze abgerissen werden müsste. Zwar werde ein neuer gebaut, «aber bis das so weit wäre, hätten wir lange Zeit keinen zweiten Platz». Das könnte zur Folge haben, «dass keine neuen Junioren mehr aufgenommen werden könnten, Teilnahme an Meisterschaften für Junioren in Frage gestellt würden, Trainings von bis zu sechs Mannschaften auf einem Platz durchgeführt werden müssten und Juniorenturniere an Wochenenden abgesagt werden müssten.» Zudem sagt Nesshold: «Und ich persönlich als Einwohner und Steuerzahler von Rümlang finde auch, dass die geplante Halle zu überdimensioniert ist.»
Beginnt der Masterplan nun wieder bei null? «Nein», sagt Huber. Der Gemeinderat stehe weiterhin hinter der Grundidee. Nun gelte es aber, die einzelnen Vorlagen so abzustimmen, dass sie bei der Bevölkerung eine Mehrheit finden. Denn Schule und Sport bräuchten schlicht mehr Platz, «und der Masterplan zeigt auf, wie wir dies erreichen können». Auch für Eiholzer ist klar: «Der Masterplan bleibt als strategische Grundlage bestehen.» Man müsse sich nun «etwas mehr Zeit lassen», meint Huber. Mit einer neuen Abstimmung über den Wettbewerbskredit rechnet er «mindestens ein halbes Jahr, vermutlich etwas länger».
Dass die Bevölkerung durch das Hin und Her in der Informationspolitik in letzter Zeit irritiert sein könne, könne er «gut nachvollziehen». Nun wünscht er sich, dass sich nach dem Wahlkampf die neu zusammengesetzten Behörden «zusammenraufen und tragfähige Vorlagen zum Wohl unserer Bevölkerung entwickeln können.»
Der Masterplan bleibt umstritten. Klar ist: Schule und Sport brauchen mehr Raum. Der Weg dorthin dürfte jedoch länger und konfliktreicher werden als ursprünglich angenommen.
Janik Schmid
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