Der Wald als Klassenzimmer
Rümlanger Drittklässler erleben den Waldtag hautnah: Ein Baum fällt, neue Bäume werden gepflanzt, und Kinder lernen über Wildtiere und Nachhaltigkeit.
Am Waldtag konnten die Kinder nicht nur viel lernen, sondern sich auch richtig auspowern. Bild: Janik Schmid
Rümlanger Drittklässler erleben den Waldtag hautnah: Ein Baum fällt, neue Bäume werden gepflanzt, und Kinder lernen über Wildtiere und Nachhaltigkeit.
Rümlang. Am Treffpunkt am Waldrand Haselbach herrschte am vergangenen Dienstag gespannte Ruhe, als kurz vor 9 Uhr eine riesige Rottanne mit einem lauten Knacken zu Boden ging. Die Kettensäge frass sich in das Holz, während Forstwart Gilles Henriod den Baum fachgerecht fällte. Ein Geburtstagskind durfte das Schauspiel aus nächster Nähe erleben – natürlich ebenfalls mit Helm auf dem Kopf, Handschuhen, Augen- und Ohrenschutz. Staunen und Raunen der rund 100 Drittklässler aus den Rümlanger Schulen Rümelbach und Worbiger begleiteten den Fall der Fichte. Danach gab es zuerst einmal ein Znüni, um gestärkt in den Tag zu starten.
Zuvor hatte Revierförster Thomas Hubli die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrpersonen begrüsst und die Posten erklärt, die auf dem Programm standen: Vier Posten – zwei vom Forst, zwei von der Jagdgesellschaft Rümlang. Die Kinder wurden in vier Gruppen eingeteilt. «Der Wald ist eines der besten Klassenzimmer», begann er. «Hier kann man viel lernen, aus sich herauskommen, sich austoben und Berührungsängste überwinden.»
Eine Gruppe durfte am Waldrand neue Bäume pflanzen. «Forstarbeiter Adrian Wirz und ich haben hier im Winter bereits geholzt, nun werden neue Bäume gesetzt», erläuterte Henriod. Besitzer des Waldstückes, Werner Beeler, war als Zuschauer ebenfalls dabei. Die Kinder pflanzten Eichen, umgeben von jungen Fichten, die den Eichen beim Wachsen helfen sollen – mehr in die Höhe als in die Breite. «Wir haben schon unseren zweiten Baum gesetzt!», berichtete ein Buben-Duo stolz. Um die Setzlinge wurde ein Schutz gebaut, damit Rehe sie nicht anknabbern, und die Holzhaufen vom Baumfällen dienen zugleich als Unterschlupf für Schlangen, Salamander, Käfer und Co.
Das Forst-Team erklärte, warum die alten Bäume gefällt wurden: «Bei Fichten sind Borkenkäfer und Trockenheit problematisch, Eschen haben einen Pilz in der Wurzel. Darum müssen wir neue, klimaresistente Baumarten pflanzen, darunter Eichen, Linden, Kirsch-, Nuss-, Mehl- und Elsbeerenbäume.» Bis ein junger Baum die Grösse eines der gefällten Bäume erreicht, dauert es 100 bis 150 Jahre.
Die Kinder wurden auf einem Anhänger mit dem Traktor zu den Jagdposten gebracht, derweil Jana Herzog, forstliche Projektmitarbeiterin, den Posten «Waldrundgang» leitete, bei dem den Kindern spielerisch Wissen über den Wald vermittelt wurde.
Eine Gruppe ging zum Jagdhaus, wo Pächter und Jäger Andreas Schärli, Pächterin und Jägerin Linda Meier und Jungjäger Tim Altorfer Felle, Hörner, Spuren und Rufe erklärten – die Kinder konnten diese mit allen Sinnen erleben; anfassen, riechen, hören. «Die vier Wildtiere im Rümlanger Wald sind Dachs, Fuchs, Reh und Wildschwein», so das Jagd-Team. Und Altorfer erläuterte, weshalb die Jagd heute noch notwendig sei: «Wildtiermanagement sorgt für Balance im Wald, verhindert Krankheiten und Wildschäden.»
Eine andere Gruppe begab sich auf die Pirsch, lernte Fährten lesen und einen Hochsitz kennen. Raphael Hegglin, Obmann der Jagdgesellschaft, erklärte die «Salzlecke»: «Ein Holzpflock wird mit Salz bestreut, bei Regen läuft Salzwasser hinab. Die Tiere lecken dort und decken ihren Salzbedarf.» Solche Spots seien für Wildtiere ein «place to be».
Mittags versammelten sich alle bei der Huebenhütte, um auch den eigenen Bedarf zu decken. Würste von der Rümlanger Metzgerei Wyss wurden gebraten – offeriert von der Walter Kaufmann Stiftung. Nach dem Essen rotierten die Gruppen, sodass jede jeden Posten erleben konnte.
Hubli betonte die Bedeutung des Waldtags: «Die Kinder lernen, dass jeder gefällte Baum im Rümlanger Wald nachgepflanzt wird oder als Naturverjüngung nachkommt. So sichern wir Artenvielfalt und Nachhaltigkeit.» Auch Herausforderungen wie Baumartenwechsel, Sturm- und Trockenheitsprobleme bei Fichten und Eschen erläuterte er. «Diese beiden Baumarten gehören zu den wichtigsten, werden allerdings immer weniger.»
Als der Waldtag am Nachmittag zu Ende ging, waren die Kinder sicherlich müde, aber zufrieden. Ein Baum beim Fallen gesehen, mit eigenen Händen neue Bäume gepflanzt, Wildtiere hautnah erlebt und nachhaltige Forstwirtschaft mitten im Wald kennengelernt – das machte den Tag zu einem mal ganz anderen Klassenzimmer.
Janik Schmid
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