Invasive Neophyten in Rümlang – Das Übel an der Wurzel packen
In Rümlang lancieren die Gemeinde und der Verein NUR eine Kampagne gegen invasive Neophyten. Ziel ist es, die Bevölkerung zu informieren und aktiv in die Bekämpfung einzubeziehen.
Eine beliebte Heckenpflanze – allerdings invasiv: Jonathan Grimm (Gärtnerei Gemeinde Rümlang) und Emily Elsner (Verein NUR) zeigen Kirschlorbeer. Bild: Janik Schmid
In Rümlang lancieren die Gemeinde und der Verein NUR eine Kampagne gegen invasive Neophyten. Ziel ist es, die Bevölkerung zu informieren und aktiv in die Bekämpfung einzubeziehen.
Rümlang. Invasive Neophyten sind mehr als nur «fremde» Pflanzen – sie sind Teil eines grösseren Problems. Wie Jonathan Grimm, Leiter der Gärtnerei der Gemeinde Rümlang, erklärt, gehören sie zu den sogenannten Neobiota: Arten, die durch den Menschen in neue Lebensräume gelangt sind. Neben Pflanzen zählen dazu auch Tiere (Neozoen) sowie Pilze und Mikroorganismen (Neomyceten), die ökologische oder ökonomische Schäden verursachen können. Zu den Neozoen – genauer gesagt zur Asiatischen Hornisse, die gerade sehr aktuell ist –, möchte Grimm einen kurzen Exkurs geben: «Jetzt ist die Jahreszeit, in dem man am besten ihre Nester in den Bäumen entdecken kann, da diese noch keine oder nur wenige Blätter haben.» Daher gelte: «Augen auf – und bei einer Sichtung sich auf der Website www.asiatischehornisse.ch oder bei der Gemeinde melden.»
Bei den Neophyten handelt es sich konkret um gebietsfremde Pflanzen, die sich stark ausbreiten und einheimische Arten verdrängen. «Sie sind sehr anpassungsfähig und nicht wählerisch», ergänzt Emily Elsner, Vizepräsidentin des Vereins Natur und Umwelt Rümlang (NUR). Viele dieser Pflanzen wurden ursprünglich bewusst eingeführt – etwa über den globalen Pflanzenhandel. «Die Goldrute zum Beispiel ist schön und liefert viel Nektar für Bienen», sagt Grimm. Doch was einst als Bereicherung galt, erweist sich heute oft als Problem.
Denn invasive Neophyten verbreiten sich rasant – über Samen, Wurzeln oder den Wind. Sie wachsen «dort, wo der Samen landet», so Grimm. Dabei können sie nicht nur einheimische Pflanzen verdrängen, sondern auch Infrastruktur beschädigen. Besonders eindrücklich zeigt sich das am Beispiel des Japanischen Knöterichs: «Da reicht ein Riss im Belag, und er drückt sich durch und zerstört Strassen oder Mauern.» Auch Böschungen oder Wasserläufe können destabilisiert werden. Elsner ergänzt: «Es ist erstaunlich, wie viel Kraft so ein kleines Pflänzchen hat.»
In Rümlang ist das Problem weder aussergewöhnlich gross noch besonders klein – «ziemlich im Durchschnitt», wie Grimm sagt. Dennoch besteht Handlungsbedarf, nicht zuletzt wegen zahlreicher Transportwege wie Strassen oder dem Flughafen, über die sich Pflanzen verbreiten. Hier setzt die gemeinsame Kampagne von Gemeinde und Verein NUR an. Während die Gemeinde für öffentliche Flächen zuständig ist, engagiert sich der Verein vor allem im privaten Bereich. «Wir haben gemerkt, dass es in vielen Gärten in Rümlang invasive Neophyten gibt – oft ohne dass es den Leuten bewusst ist», sagt Elsner.
Die Kampagne setzt auf Information und Aufklärung anstatt auf Vorschriften oder «Schimpfen», sagt Elsner. Ein zentraler Bestandteil ist ein Informationsstand am Frühlingsfest im Mai. Dort sollen Besucherinnen und Besucher anhand von Bildern auf grossen Postern sowie auch echten mitgebrachten Pflanzen lernen, invasive Arten zu erkennen und von einheimischen zu unterscheiden – denn manche sehen sich sehr ähnlich. «Es geht nicht darum zu sagen: Ihr müsst das ändern», betont Elsner. «Wir wollen aufklären, damit die Leute selbst entscheiden können.»
Ergänzend dazu ist ein Aktionstag geplant, bei dem gemeinsam Pflanzen entfernt werden. Bereits jetzt unterstützt der Verein Privatpersonen bei Fragen oder bei der praktischen Bekämpfung – freiwillig und auf Anfrage. Parallel dazu ist die Gärtnerei der Gemeinde täglich im Einsatz. Entlang von Strassen, Bachläufen oder in Rabatten werden invasive Pflanzen regelmässig entfernt. «Grundsätzlich reissen wir sie von Hand aus – komplett, mit Wurzeln», erklärt Grimm. Nur so könne man das Problem nachhaltig angehen. Elsner ergänzt: «Und trotzdem kommen sie immer wieder zurück.» Oft reichen kleinste Wurzelreste oder Samen, um neues Wachstum auszulösen.
Die Arbeit ist aufwendig und muss jährlich wiederholt werden. Besonders effektiv ist das Entfernen nach Regentagen, wenn der Boden weich ist. Wichtig ist zudem die richtige Entsorgung: «Nicht ins Grüngut», warnt Grimm. Stattdessen sollen Kehrichtsäcke oder noch besser spezielle Neophytensäcke verwendet werden, die bei der Gemeinde oder bei der Sammelstelle beim Werkhof erhältlich sind. Bei letzterem können die gefüllten Säcke wieder abgegeben werden. Diese Säcke sind speziell markiert, damit man sieht: «Achtung! Hier hat es invasive Neophyten drin.»
Auch sollte der Weg von der Entfernung bis zur Entsorgung in den Sack möglichst kurzgehalten werden, erklären beide. «Damit etwa keine Samen auf dem Weg verloren gehen.»
Die Kampagne versteht sich als Anfang eines längerfristigen Engagements. «Das ist der Beginn von etwas Grösserem», sind sich Grimm und Elsner einig. Neben der Bekämpfung steht vor allem die Zusammenarbeit im Fokus – zwischen Gemeinde, Verein und Bevölkerung.
Janik Schmid
Lade Fotos..