Gemeinsamer Einsatz für Biodiversität
Mit vereinten Kräften hat der Verein Natur und Umwelt Rümlang NUR am Samstag mitten im Dorf eine Naturfläche instand gesetzt und aufgewertet, die zahlreichen Tierarten ein Zuhause bieten soll.
Mit zahlreichen freiwillig Helfenden engagiert sich der Verein NUR für mehr Artenvielfalt im
Siedlungsraum. Bild: Martina Kleinsorg
Mit vereinten Kräften hat der Verein Natur und Umwelt Rümlang NUR am Samstag mitten im Dorf eine Naturfläche instand gesetzt und aufgewertet, die zahlreichen Tierarten ein Zuhause bieten soll.
Rümlang. Die Sonne strahlt vom Himmel, als die freiwilligen Helfenden am Samstagmorgen an der Lindenstrasse eintrudeln – eingeladen hat der Verein Natur und Umwelt Rümlang NUR. Gemeinsam wollen sie von 9 bis 15 Uhr eine Naturfläche ökologisch aufwerten: Eine Ruderalfläche soll zur artenreichen Wiese werden, Sträucher sollen gepflegt und Sandlinsen für Wildbienen angelegt werden. So entstehen bereits in diesem Frühling neue Lebensräume, die im kommenden Jahr zusätzlichen ökologischen Mehrwert für die Biodiversität bieten. Ort des Geschehens ist eine ehemalige Pferdeweide auf dem Grundstück von Silvia Aharon, die ihren angrenzenden Bioterra-Garten giftfrei und naturnah pflegt.
«Ihr könnt euch verteilen – wichtig ist erst einmal, Ordnung zu schaffen», sagt Vizepräsidentin Emily Elsner nach herzlicher Begrüssung. Dabei gilt es, einen drei Wochen zuvor von einem Bauern freigelegten Bereich von Gräsern, Wurzeln und grossen Steinen zu befreien, um die Ansaat der neuen Wiese vorzubereiten. Ausgerüstet mit Hacken, Spaten, Rechen und weiterem Werkzeug machen sich die Freiwilligen ans Werk.
Das insgesamt rund 500 Quadratmeter grosse Gelände ist eine von vier Flächen des NUR-Projektes «Ökologische Aufwertung von Privatarealen». Ebenfalls dazu gehören ein 800 Meter langer Streifen entlang des Bahndamms sowie eine ehemalige Schafweide in Katzenrüti, erzählt Gründungsmitglied Walter Weber. Ziel des 2018 gestarteten und von der Walter-Kaufmann-Stiftung sowie BirdLife unterstützten Projekts ist es, innerhalb des Siedlungsgebietes Lebensräume zu schaffen, in denen die Artenvielfalt zunimmt. Voraussetzung war eine mindestens zehnjährige Pflege der Flächen.
Die Pferdeweide wurde damals in eine Ruderalfläche und Magerwiese umgestaltet, doch führten Bauarbeiten für Fernwärmeleitungen zu Verzögerungen und nahmen dem Vorhaben den Schwung. Weber, der aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht selbst mit anpacken kann, stellt seine Expertise gerne weiterhin zur Verfügung. «Als neuer junger Vorstand gehen wir es nun mit frischer Motivation an», betont Emily Elsner.
Eine konsultierte BirdLife-Fachperson empfahl statt einer reinen Ruderalfläche eine artenreiche Wiese. Die fetten Gräser auf dem umgebenden nährstoffreichen Boden würden sonst ständig ein Problem bleiben. «Wir verwenden Fromentalwiesen-Saatgut», sagt Emily Elsner. Dieser Wiesentyp zählt zwar nicht zu den klassischen Magerwiesen, gilt aber als ökologisch wertvoll, da er durch eine hohe Pflanzenvielfalt eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und Lebensraum für Kleintiere bietet. Er wird von Arten wie Glatthafer, Wiesenkerbel und Zottigem Klappertopf geprägt und durch weitere Gräser und Blütenpflanzen ergänzt, zur fachgerechten Pflege gehört ein zweimaliger Schnitt pro Jahr.
Bis sich eine stabile Wiese entwickelt, könne es ein bis zwei Jahre dauern, weiss die Vize-Präsidentin. «Bis dahin müssen wir ein besonderes Auge auf invasive Neophyten haben, die sich auf offenen Böden schnell verbreiten.»
Derweil zieht die zehnjährige Linn begeistert einen kiloschweren Stein aus der trockenen Erde. Dieser wandert auf einen bereits angelegten Steinhaufen, der kleinen Reptilien Unterschlupf bietet. Die daneben angehäuften Äste soll Igeln und Wieseln als Versteck und Winterquartier dienen.
Bernhard Elsner widmet sich der umliegenden Wiese. Den Akku auf den Rücken geschnallt, schneidet er mit dem Trimmer einen breiten Streifen des wuchernden Grüns zurück und kürzt auch blühenden Löwenzahn. «Er ist zwar eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, verbreitet sich aber sehr schnell», erklärt Emily Elsner. «Was überhandnimmt, muss man zurücknehmen.» Spezielle Pflanzen dürfen stehen bleiben.
Eine früher angelegte Sandlinse muss wieder hergestellt werden, da sie inzwischen überwuchert und von Wurzelgeflecht durchzogen ist. Das runde, etwa 40 Zentimeter tiefe Loch für eine zweite Sandlinse ist an anderer Stelle bereits ausgehoben. Etliche Schubkarrenladungen sind nötig, um sie mit feinkörnigem Sand zu füllen. Flach gewölbt modelliert, wird sie später mit einem Stahlgitter gegen Katzen gesichert. Solche Strukturen sind wertvolle Nistplätze für bodenbrütende Wildbienenarten. Damit genügend Sonne darauf fällt, dürfen die Kinder das dahinter wuchernde Heckengehölz mit der Heckenschere kürzen, bevor der fachgerechte Rückschnitt folgt. Der zehnjährige Quentin ist zudem damit beschäftigt, eine Liste der beobachteten Insekten zu führen: Von Feuer-, Marien- und Stinkkäfer bis hin zu Eulenmotte und Schwebfliege hat er bereits zahlreiche Arten entdeckt.
Die Dornenhecke zur Strasse soll einen Pflegeschnitt erhalten und im Herbst eine Erweiterung erfahren. Im hinteren Bereich des Grundstücks wünscht sich Silvia Aharon eine weitere Hecke. Pflanzstandorte werden markiert, erste Überlegungen zu geeigneten Arten angestellt. «Auf der umliegenden Wiese spriessen Jungpflanzen wie Wildrose und Weissdorn, die wir hierhin umsetzen können», schlägt Emily Elsner vor.
In den Pausen – die erste wird nach 90 Minuten einberufen – sorgt die Verpflegung aus Anita Hürlimanns Cafepedal für Stärkung. Nach kurzer Rast und fröhlicher Plauderei in Silvia Aharons Garten geht die Truppe wieder ans Werk. Am Ende des Einsatzes zieht der Verein ein zufriedenes Fazit: Dank 26 Helfenden konnten die geplanten Arbeiten umgesetzt werden. Nun setzt NUR darauf, dass sich die Fläche gut entwickelt und sich schon bald zahlreiche Insekten und Reptilien ansiedeln.
Martina Kleinsorg
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