Vielfalt auf Leinwand, Glas und Haut
Ob Malerei, Glaskunst, Textiles oder Face-Painting – die Ausstellung «Vielfalt der Kunst» vereint unterschiedliche Materialien, Techniken und Ausdrucksformen von acht Kunstschaffenden aus Rümlang und der Region.
Patrick Scholz gewährte Einblick in die einzelnen Schritte der traditionellen Glasmalerei. Bild: Martina Kleinsorg
Ob Malerei, Glaskunst, Textiles oder Face-Painting – die Ausstellung «Vielfalt der Kunst» vereint unterschiedliche Materialien, Techniken und Ausdrucksformen von acht Kunstschaffenden aus Rümlang und der Region.
Rümlang. «Gerade in der Vielfalt liegt eine besondere Stärke: Sie zeigt uns, dass Kunst keine festen Grenzen kennt», sagte Rosita Buchli, Präsidentin von Rümlang Kultur, zur Eröffnung der Ausstellung «Vielfalt der Kunst». Kunst sei beweglich, wandelbar und offen – «genau wie wir Menschen auch». Zahlreiche Interessierte folgten am Sonntag der Einladung ins sonnendurchflutete Gemeindehaus. «Wir haben hier sehr viel Platz und so viel Raum für die Kunst, dass wir gut mehrere Kunstschaffende zusammen ausstellen können», erklärte Organisator Daniel Day Huber. Acht Künstlerinnen und Künstler, die in den letzten zwei Jahren an Rümlang Kultur herangetreten seien, vereint die noch bis Ende Juni laufende Ausstellung.
Im Foyer demonstriert Patrick Scholz an der Vernissage einzelne Schritte der traditionellen Glasmalerei. Gemeinsam mit seinem Bruder Roger führt der 39-Jährige in dritter Generation den seit 1987 in Rümlang ansässigen Betrieb. Live bearbeitet er das auf Glas skizzierte Porträt von Frida Kahlo mit einem Federkiel, um Licht- und Schatteneffekte zu erzeugen. Später werde die Farbe bei 640 Grad im Ofen eingebrannt, was sie wetterfest mache, erläutert er. «Faszinierend», lautet das Urteil eines Besuchers, der ihm über die Schulter schaut. Verschiedene Objekte geben einen Eindruck des handwerklichen Könnens, darunter ein laufendes Projekt: «Wir restaurieren 498 bunte Scheiben eines Zürcher Kirchgemeindehauses.» Auch moderne Glaskunst mit Schmelzglasarbeiten ist ausgestellt.
Schon als Kind habe sie auf allem gemalt, was sich ihr bot, erzählt Eva Schwitter und berichtet von Wandmalereien mit Mutters Lippenstift. «Diese Leidenschaft zieht sich durch mein Leben.» Viele Bilder der Rümlangerin zeigen abstrakte Naturmomente in Acryl, gerne erschaffe sie individuelle Auftragswerke nach Wunsch. Ein Bürojob am Computer habe sie unglücklich gemacht: «Ich wollte mit Menschen arbeiten.» Sie liess sich zur Make up-Artistin ausbilden und ist nun mit Body- und Face-Painting an Anlässen in Rümlang und schweizweit unterwegs, wo sie Körper und Gesichter in lebendige Kunstwerke verwandelt: «Heute ist Haut meine Leinwand.» Der kleinen Luana und ihrer Mutter Simona Berger zaubert sie an diesem Tag Blütenelemente und ein Strahlen ins Gesicht.
Die 17-Jährige Jael Dekker begleitete den Anlass musikalisch. Als zweites Stück trug die Violinistin ein Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy vor. Dass der 1809 geborene deutsche Komponist viermal die Schweiz bereiste und als begeisterter Zeichner und Aquarellmaler zahlreiche bildliche Eindrücke davon schuf, entdeckte Walter Bersinger 2014 anlässlich eines Leipzig-Besuchs im Mendelssohn-Museum. Diese Erkenntnis bewog den Rümlanger Klassikfan mit seiner Kamera zu den Schauplätzen der Bilder aufzubrechen und diese fotografisch zu dokumentieren. Daraus reiften Pläne für eine Videodokumentation, die die vierte Reise von 1831 zu Fuss durch die Schweiz nachzeichnet und den Musiker von seiner eher unbekannten Seite porträtiert. Der Film «Meine geliebten Höhen und Täler» wird am 17. Mai im Gemeindehaus gezeigt, die Ausstellung gibt bereits spannende Einblicke in den Entstehungsprozess.
Ebenfalls im ersten Stock werden auf vielseitigen Wunsch noch einmal textile Bildkompositionen der im vergangenen Jahr verstorbenen Käti Henriod gezeigt. Das Quilten von Hand hat die Rümlanger Textilkünstlerin über Jahrzehnte als Hobby gepflegt. «Ich habe gerade erst mit dem Nähen angefangen», sagt ihre Tochter Valérie, die ihrer eigenen Kreativität malerisch Ausdruck verleiht.
Im zweiten Stock präsentieren vier Künstlerinnen ihre Werke: Die gelernte Floristin Evelyn Baumann führte 18 Jahre ihren Laden «Mondblume» in Rümlang, wo sie zahlreiche Kreativkurse anbot. «Inzwischen bin ich in Teilpension und kann mich ohne finanziellen und zeitlichen Druck meinem kreativen Schaffen widmen.» Aktuell konzentriert sie sich auf Acrylmalerei in Mischtechnik und zeigt im Gemeindehaus fantasievolle Motive in meist erdigen Farben. Ihre langjährige Freundin Rita Maag begann vor 25 Jahren mit der Malerei. In Rümlang stellt die Oberglatterin unter anderem zwei mit geschmolzenem Wachs gestaltete frühlingshaft anmutende Werke aus. Auch ihre beiden Töchter sind mit Exponaten präsent. Corina Maag, die urlaubsbedingt nicht anwesend war, drückt sich unter Verwendung von Serviettentechnik auf Leinwand und Glas künstlerisch aus. Beinahe dreidimensional wirken zwei farbenfrohe Acrylbilder von Melanie Maag dank des verwendeten Glitterleims. «Am schwersten ist es, zu entscheiden, wann ein Bild fertig ist».
Viele Besucher nutzten die von einem Apéro begleitete Begegnung zum regen Austausch mit den Kunstschaffenden. Rosita Buchli wird der inspirierende Anlass in besonderer Erinnerung bleiben: Nach 12 Jahren ist es für sie die letzte Vernissage als Präsidentin von Rümlang Kultur.
Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Juni im Gemeindehaus während der regulären Öffnungszeiten geöffnet. Die Filmvorführung ist am 17. Mai um 15 Uhr.
Martina Kleinsorg
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