Mit Spraydosen gegen illegale «Tags»
Schülerinnen und Schüler haben in der letzten Frühlingsferienwoche das WC beim Pumptrack neben der Heuelhalle in Rümlang mit Graffiti neugestaltet.
«Wir hören uns zu, wir schauen hin, und wir sprechen miteinander.» Bild: Janik Schmid
Schülerinnen und Schüler haben in der letzten Frühlingsferienwoche das WC beim Pumptrack neben der Heuelhalle in Rümlang mit Graffiti neugestaltet.
Rümlang. Das Klackern der Spraydosen hallte über den Pumptrack neben der Heuelhalle. Der Geruch von Farbe lag in der Luft, während Schülerinnen und Schüler mit Handschuhen und Masken beschäftigt um das WC herumtigerten. Einige zeichneten mit weisser Kreide Skizzen auf die schwarzen Wände, andere diskutierten Motive oder füllten Buchstaben mit Farbe aus. Dazwischen hörte man immer wieder das Schütteln der Dosen und das Zischen der Sprühfarbe.
«Die Aktion ist ein Ferienangebot», sagt Simon Gonzales, der sich in der Ausbildung zum Sozialpädagogen befindet. Das Graffiti-Projekt begann am Mittwoch vergangener Woche und dauerte bis Freitag derselben Woche. «Am ersten Tag hat es leider geregnet, was das Grundieren blockierte. Daher machten wir an diesem Tag weitere Vorbereitungen», erklärt Silvan Kobelt, Jugendarbeiter Oberglatt/Rümlang.
Bevor gesprayt wurde, habe man im Jugendtreff zuerst eine Befragung durchgeführt. Die Kinder und Jugendlichen konnten Wünsche, Motive und Ideen einbringen. Dabei entstand auch das Hauptmotiv des Projekts: die bekannten «Drei Affen», die nichts hören, sehen oder sagen wollen – allerdings in abgeänderter Form: «Aus den drei Affen wurden drei Smileys, die genau das Gegenteil tun. Wir wollen das berühmte Motiv dabei positiv umdeuten: Wir hören uns zu, wir schauen hin, und wir sprechen miteinander», erklärt Kobelt.
Neben dem Hauptmotiv wurden auch verschiedene Sprüche und Jugendwörter auf die Wand gesprayt. Darunter sind etwa «No risk, no fun», «Bro» oder «LOL!» nun in bunten Farben auf dem WC zu sehen. Welche Wörter, Sprüche und Symbole verwendet werden sollten, wurde gemeinsam ausgehandelt. Alle Beteiligten konnten Vorschläge machen und darüber abstimmen. Die Wörter recherchierten die Schülerinnen und Schüler selber im Internet.
Die Vorlage entstand mithilfe von ChatGPT. Laut Kobelt sei diese allerdings sehr anspruchsvoll gewesen und deshalb leicht angepasst worden. Auf den beiden zum Pumptrack gerichteten Wänden entschied man sich ausserdem für den Schriftzug «Pumptrack» sowie die Rüm-langer Postleitzahl «8153».
Nach der Ideenfindung folgte die praktische Arbeit: Zuerst wurden die Wände schwarz grundiert. Danach zeichneten die Schülerinnen und Schüler mit weisser Kreide vor. Anschliessend wurden Bereiche mit Klebeband abgeklebt, bevor das sogenannte «Filling», also das Ausfüllen der Buchstaben und Motive mit Farbe, begann. Zum Schluss kamen Konturen, Verläufe und Highlights dazu.
Bereits zum vierten Mal wurde ein solches Graffiti-Projekt gemeinsam umgesetzt. Zuerst verschönerte man die Aussenwand des Jugendtreffs, danach dessen Innenraum und später den Musikraum. Nun folgte das WC beim Pumptrack.
Die Idee, hier etwas zu unternehmen, kam ursprünglich von der Gemeinde, wie Kobelt erzählt. Bei den leeren Wänden des WC’s sei immer wieder illegal «getaggt», also draufgeschrieben worden. «Diese Tags sahen ziemlich unmotiviert und weniger schön aus», sagt er besonnen.
Gemeinsam mit der Jugendarbeit entstand deshalb die Idee, etwas dagegen zu unternehmen – gewissermassen mit denselben «Waffen». Die Gemeinde bewilligte das Graffiti-Projekt schliesslich.
Für die Schülerinnen und Schüler bedeutete das nicht nur kreatives Arbeiten, sondern auch ein Lernen über Regeln und Verantwortung. «Es ist cool, dass wir das hier legal machen», sagte ein Junge während der Arbeit auf einer Leiter, während er einen Buchstaben mit der Spraydose ausfüllte. Während der Frühlingsferien konnten sich die Kinder und Jugendlichen laut Kobelt kreativ ausleben und gleichzeitig lernen, wie wichtig Austausch und Konsensfindung sind.
Besonders beeindruckt habe ihn die Ausdauer der Beteiligten. «Sie waren sehr motiviert bei der Ideensuche sowie dann auch bei der Arbeit selbst – teils waren sie stundenlang an der Arbeit», sagt Kobelt.
Ganz ohne Schwierigkeiten verlief das Projekt jedoch nicht. Da es sich um ein Ferienangebot handelte, seien viele Schülerinnen und Schüler abwesend gewesen, obwohl auch sie Ideen gehabt hätten. «Wir konnten aber nicht alles berücksichtigen, da dies kompliziert geworden wäre», erklärt Kobelt. Deshalb habe man sich darauf geeinigt, dass diejenigen mitentscheiden konnten, die tatsächlich vor Ort waren und mitmachten. Auch die Gruppenbildung sei nicht ganz einfach gewesen, am Ende habe aber alles funktioniert.
Finanziert wurde das Projekt durch zwei Budgets der Gemeinde: jenes für die Ferienwochen und jenes für Graffiti-Projekte. Zusammen ermöglichten sie die Umsetzung der Aktion.
Gegen Ende des Projekts zog auch einer der Jungen ein positives Fazit: «Die Zusammenarbeit war gut und hat richtig Spass gemacht. Wir konnten uns gut austauschen bei den Vorbereitungen und uns bei der Umsetzung austoben und kreativ ausleben.»
Und so entstand vor dem Pumptrack neben der Heuelhalle ein bunt gestaltetes WC. Weitere Projekte dieser Art seien zwar noch nicht konkret geplant, spannende Ideen dafür gebe es aber bereits, wie Kobelt zu entnehmen war.
Janik Schmid
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