Ohne Feuerwerk in den Nationalfeiertag
Trockenheit statt Tradition: Der 1. August steht auch in Rümlang ganz im Zeichen des Feuerwerksverbots.
Die Bundesfeier in Rümlang soll auch ohne Feuerwerk und Höhenfeuer für ein abwechslungsreiches Programm sorgen. Bild: KI-generiert
Trockenheit statt Tradition: Der 1. August steht auch in Rümlang ganz im Zeichen des Feuerwerksverbots.
Rümlang. Der Nationalfeiertag ohne Raketen, Höhenfeuer und Holzkohlegrill – für viele kaum vorstellbar. Doch die aussergewöhnliche Trockenheit zwingt die Behörden im ganzen Kanton Zürich zu diesen Massnahmen. Während im Wald und in Waldesnähe bereits seit Ende Juni ein Feuer- und Feuerwerksverbot gilt, hat die Gemeinde Rümlang die Vorschriften Mitte Juli nochmals verschärft: Auf dem gesamten Gemeindegebiet sind offene Feuer und Feuerwerk bis auf Weiteres verboten. Damit soll verhindert werden, dass ein Funke genügt, um einen Brand auszulösen. Weil sich die Wetterlage seither nicht entspannt hat und Niederschläge weiterhin ausbleiben, gilt das Verbot ausdrücklich auch am
1. August.
Für Gemeindeschreiber Enrico Beeli, der hier für das Organisationskomitee der Bundesfeier spricht, ist dieser Schritt nachvollziehbar. Das absolute Feuerverbot sei angesichts der anhaltenden Trockenheit und der erhöhten Waldbrandgefahr «notwendig und verhältnismässig». Als Gemeinde trage man eine Mitverantwortung für die Sicherheit der Bevölkerung und halte sich daher selbstverständlich an die behördlichen Vorgaben.
Diese haben unter anderem auch zur Auswirkung, dass an der Bundesfeier das traditionelle Höhenfeuer, das den Anlass um 22 Uhr hätte abschliessen sollen, dieses Jahr ausfällt. Trotzdem rechnet Beeli mit einer gelungenen Feier. Das Organisationskomitee habe mit Apéro, Ansprachen, Unterhaltungsprogramm und einem Kinderumzug mit Girlanden ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. «Das Fehlen des Höhenfeuers ist zwar bedauerlich, mindert den Anlass als solchen jedoch nicht», so Beeli.
Dass die Massnahmen notwendig sind, darüber herrscht bei den Einsatzorganisationen weitgehend Einigkeit. Für Feuerwehrkommandant Guido Buchli ist das Verbot «eine sinnvolle und wichtige Massnahme». Bei der aktuell herrschenden Trockenheit werde damit eine zusätzliche Gefahrenquelle ausgeschlossen. «So kann verhindert werden, dass durch unsachgemässes oder unkontrolliertes Abbrennen von Feuerwerk ein Brand entsteht.»
Auch wenn die Feuerwehr keine besonderen Vorbereitungen für den Nationalfeiertag trifft, bleibt sie jederzeit einsatzbereit. Buchli hofft jedoch, dass sich die Bevölkerung an das Verbot hält. «Dadurch reduziert sich ein erhebliches Gefahrenpotenzial, das zu zusätzlichen Einsätzen führen könnte.» Immerhin habe es in den letzten paar Jahren, soweit er sich erinnere, keine Einsätze gegeben, die direkt durch Feuerwerk ausgelöst worden seien.
Ein paar Jahre weiter zurück fällt der Blick in die Statistik von Stabsoffizierin Sandra Riedi. Sie verweist darauf, dass es in den vergangenen 20 Jahren dennoch vier Brände gegeben habe, deren Ursache «vermutlich auf Feuerwerkskörper zurückzuführen ist» – und zwar in den Jahren 2007, 2012, 2015 und 2017. Bereits 2022 habe die Gemeinde wegen der damaligen Trockenheit ein Feuerverbot verhängt und an der Bundesfeier auf das Höhenfeuer verzichtet.
Auch bei der Polizei RONN steht die Sicherheit im Vordergrund. Polizeichef Christian Ambühl betont, beim Feuerwerksverbot handle es sich um einen politischen Entscheid. «Die Polizei RONN unterstützt diese Entscheidung, sieht man doch in den Nachbarländern, was aufgrund der Trockenheit passieren könnte.»
Eine derart weitreichende Regelung habe es zwar selten gegeben, sagt Ambühl. Es handle sich jedoch ausdrücklich nicht um ein generelles Feuerwerksverbot, sondern lediglich «um ein zeitlich beschränktes Verbot, was den Umständen nötig und weitsichtig ist».
Besondere Vorbereitungen seien für die Polizei nicht nötig. Dennoch müsse man damit rechnen, dass es zu Einsätzen komme – sei es, weil Personen das Verbot bewusst missachten oder schlicht nichts davon wissen. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, muss mit einer Verzeigung an das Statthalteramt Dielsdorf rechnen. Sollte dadurch zusätzlich ein Feuerwehreinsatz ausgelöst werden, könnten weitere Kosten auf die verantwortlichen Personen zukommen.
Ambühl weist zudem darauf hin, dass längst nicht nur Wälder gefährdet seien. «Neben Waldgebieten sind die trockenen Wiesen genauso eine Gefahrenzone. Auch darf nicht vergessen werden, dass der «Abschussplatz» nicht gleich der «Brandherd» sein muss.
Auch die Abteilung Werke der Gemeinde rechnet mit spürbaren Auswirkungen. Bereichsleiter Roland Angst bezeichnet das Feuerwerksverbot als «absolut angemessen». Er erwartet, dass durch das Feuerwerksverbot der Aufwand nach dem Nationalfeiertag deutlich kleiner ausfallen wird, was Abfallentsorgung und Reinigungsarbeiten anbelangt. Angst zeigt sich überzeugt, dass sich die Bevölkerung grösstenteils an die Vorschriften halten werde, da sie die Gefahr erkannt habe.
Nicht nur Feuerwehr und Polizei begrüssen die Massnahmen. Auch aus Sicht des Tierschutzes ist das diesjährige Feuerwerksverbot ein wichtiger Schritt.
Sonja Bugmann von der Helena Frey-Stiftung für Tierschutz findet klare Worte: «Aus der Sicht des Tierwohls finden wir das Feuerwerksverbot super. Wir wünschen uns das generell für immer. Viele Tiere und Menschen leiden schrecklich. Es ist ein Segen, das Feuerwerksverbot dieses Jahr.»
Im Tierheim zeigten sich die Folgen von Feuerwerk Jahr für Jahr deutlich. Besonders Vögel gerieten während der Knallerei in Panik und fänden die ganze Nacht keine Ruhe. In besonders schweren Fällen seien Tiere sogar vor Schreck gestorben. Auch Hunde litten stark unter den Knallgeräuschen. Sie stünden stundenlang unter Stress, zitterten vor Angst und manche verweigerten bereits am Nachmittag den Gang nach draussen, weil schon früh Feuerwerkskörper gezündet würden. Ihre Pferde verstünden die Situation ebenfalls nicht und gerieten durch die unerwarteten Knalle in Panik. Dabei können die grossen Fluchttiere sich selber oder auch andere gefährden.
Bugmann hofft deshalb auf einen ruhigeren Nationalfeiertag. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass das Problem oft schon Tage vor dem 1. August beginne und erst Tage danach ende. Besonders unverständlich sei für das Tierheim gewesen, dass in früheren Jahren sogar in unmittelbarer Nähe der Einrichtung Feuerwerk gezündet worden sei. Das Tierheim appelliere deshalb an diesem 1. August an den «gesunden Menschenverstand» und «die Eigenverantwortung aller.»
Auch die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz unterstützt die Feuerwerksverbote. Medienmitarbeiterin Jana Bauer bezeichnet sie angesichts der anhaltenden Trockenheit und der hohen Waldbrandgefahr als «wichtige Massnahme». Grundsätzlich setze sich die Stiftung dafür ein, dass beim Feiern Rücksicht auf Tiere genommen werde – etwa mit geräuscharmem Feuerwerk.
Bauer macht darauf aufmerksam, dass längst nicht nur Haustiere betroffen seien. Auch Wild- und Nutztiere litten unter den plötzlichen Knallgeräuschen, flüchteten aus ihren Rückzugsgebieten und könnten sich dabei verletzen.
Ihr Appell richtet sich an die Eigenverantwortung der Bevölkerung: «Der Nationalfeiertag lässt sich auch ohne lautes Feuerwerk stimmungsvoll feiern. Wer auf Raketen und Böller verzichtet, schenkt unzähligen Tieren eine ruhige Nacht.»
Auch der Flughafen Zürich spürt die Auswirkungen des Verbots. Normalerweise wird der Flugbetrieb am Abend des Nationalfeiertags aus Sicherheitsgründen wegen der Feuerwerke auf einen sogenannten «Sackbahnhof» umgestellt. Dieses Jahr werde dies voraussichtlich nicht notwendig sein, erklärt Bettina Kunz, Head Corporate Communications der Flughafen Zürich AG. Aufgrund der Feuerwerksverbote in den Gemeinden rund um den Flughafen erwarte man nun keine Anpassungen im Flugbetrieb. Ganz ausschliessen lasse sich Feuerwerk jedoch nicht, weshalb betriebliche Anpassungen weiterhin möglich seien.
Für Rümlang bedeutet der diesjährige Nationalfeiertag damit vor allem eines: weniger Feuer, Lärm und Abfall und hoffentlich auch weniger Risiken. Ob tatsächlich alle Einwohnerinnen und Einwohner auf Raketen und Böller verzichten werden, wird sich allerdings erst am 1. August zeigen. Die Behörden, die Einsatzorganisationen und die Tierschutzorganisationen hoffen jedenfalls, dass die Bevölkerung Verantwortung übernimmt – damit der Nationalfeiertag auch ohne Feuerwerk in guter Erinnerung bleibt.
Janik Schmid
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