Zahlreiche Besucherinnen und Besucher verfolgten das seltene Himmelsschauspiel. Bild: Janik Schmid
21.08.2026 08:00
Sonnenfinsternis zur Jubiläumsfeier des Sternwartenvereins Rümlang
Der Sternwartenverein Rümlang hat sein 30-jähriges Bestehen mit einem grossen Fest und einer partiellen Sonnenfinsternis gefeiert. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher verfolgten das seltene Himmelsschauspiel.
Rümlang. Schon am Nachmittag herrschte rund um die Sternwarte in Rümlang reger Betrieb. Das Jubiläumsfest zum 30-jährigen Bestehen des Sternwartenvereins war enorm gut besucht – so gut, dass es zeitweise zu einem kleinen Verkehrs- und Parkplatz-Chaos kam. Auf dem Festgelände gab es viel zu entdecken: Das Düüsewägeli und Cafepedal sorgten für Getränke und Kaffee, ein Bratwurststand mit Guido Buchli wurde wegen der immensen Nachfrage ad-hoc vom Düüsewägeli aufgeboten. Dazu kamen Stände der Sternwarte mit Monitoren und Informationen, ein Verkaufsstand mit Sonnenfinsternisbrillen, Sternwarten-T-Shirts und verschiedenen ORION-Themenheften sowie ein Wettbewerb. Als Hauptpreis winkte eine VIP-Gruppenführung in der Sternwarte mit Apéro und vier Astronomiebüchern.
Auch für Kinder war einiges vorbereitet. In der Bastelecke konnten sie mit AstroMedia-Bastelbögen einfache Teleskope bauen. Dazu gab es ein Wurf- und ein Brettspiel mit Robotern. Auf der Wiese standen verschiedene Teleskope, während Co-Präsident Beat Meier spezielle und originelle Beobachtungsmethoden präsentierte. Dazu gehörte die «Gucksonn», bei der das Licht durch dreifache Zickzack-Spiegelung an Glasflächen gedämpft wird. Eine ein Meter lange Camera obscura aus Karton projizierte ein etwa zehn Millimeter grosses Abbild der Sonne auf transparentes Papier und ermöglichte so eine gefahrlose Beobachtung. Auch mit einem gewöhnlichen Fernglas liess sich die Sonne auf ein Stück weisses Papier projizieren.
Vorträge und Sonnenfinsternis
Bereits ab 15 Uhr standen vier verschiedene Vorträge auf dem Programm, die jeweils zweimal zu unterschiedlichen Zeiten präsentiert wurden. Michael Butti sprach über «Die Perseiden – Der Sternschnuppenregen des Sommers», Walter Bersinger über «Schattenspiele am Himmel» sowie über «Von den Anfängen zur Blüte: 30 Jahre Sternwartenverein». Patrick Schmid erklärte die «Himmelsmechanik einer Sonnenfinsternis». Die Vorträge fanden abwechselnd in der Kuppel und im Zelt statt.
Zwischen den Vorträgen wurde Musik gespielt. Heinz Rauch an der Trompete und Mathias Harter an der E-Gitarre präsentierten viele bekannte Titel mit einem Bezug zu Sonne, Mond und Sternen, darunter auch eine Eigenkomposition von Rauch.
In der Kuppel wurden während des Nachmittags neben den Vorträgen in den Pausen auch gewöhnliche Sonnenbeobachtungen angeboten – so, wie sie der Verein auch an zwei Sonntagnachmittagen pro Monat durchführt. Für Co-Präsident Walter Bersinger blieb dabei vor allem die Stimmung des Festes in Erinnerung. «Besonders aufgefallen ist mir die Gemütlichkeit, die Geselligkeit, Hilfsbereitschaft der Leute untereinander», sagt er. Diese zeigte sich unter anderem bei den Sonnenfinsternisbrillen: Sie waren im Nu ausverkauft. Wer keine mehr ergattern konnte, musste aber nicht auf den Blick zur Sonne verzichten. Die Besucherinnen und Besucher liehen einander ihre Brillen aus und teilten sie miteinander.
Das Wetter hätte für die Beobachtung kaum besser sein können. Bei klarem Himmel und – zugegeben ziemlich heissen nachmittäglichen Temperaturen von 34 Grad – richteten sich die Blicke immer wieder nach oben. Ab 19 Uhr – zum Glück dann etwas kühler – konnte die partielle Sonnenfinsternis in der Kuppel und draussen auf der Wiese mit verschiedenen Fernrohren, Brillen und weiteren Gerätschaften beobachtet werden. Gleichzeitig liefen im Zelt Live-Streams von Direktübertragungen aus der Totalitätszone, vor allem aus Spanien, moderiert von Christian Fokas.
Je weiter die partielle Sonnenfinsternis fortschritt, desto deutlicher veränderte sich die Atmosphäre. Etwa ab 20 Uhr wurde das Licht fahler, eine verfrühte Dämmerung setzte ein und die Luft kühlte sich spürbar ab. Auch aus Sicht der Besucher war der Höhepunkt der Sonnenfinsternis besonders eindrücklich: Als am meisten von der Sonne verdeckt war, wirkte die Landschaft mystisch, fast traumartig. Die vorzeitige Abkühlung war angesichts der Hitze des Nachmittags zudem durchaus willkommen. Bersinger beschreibt die Erscheinung als das für ein fortgeschrittenes Stadium von Sonnenfinsternissen typische «fahle Licht in der Landschaft».
Zum Schluss liess der Verein einen Ziffernballon mit einer angehängten Nachricht steigen, die in der Kinderecke gestaltet worden war. Nun hofft der Verein auf die Antwort eines Finders aus der Ferne. Sollte sie eintreffen, wäre das «ein Jubiläums-Highlight», sagt Bersinger.
Nachdem die immer noch teilverfinsterte Sonne hinter den Baumwipfeln des Rümlanger Waldes verschwunden war, kehrte fortschreitend die Dämmerung ein. Die meisten Gäste machten sich zufrieden auf den Heimweg. Für den Sternwartenverein war das Jubiläumsfest damit aber noch nicht ganz vorbei.
Ab 21 Uhr fand eine reguläre Mittwochsführung in der Kuppel statt. Die Demonstratoren zeigten den noch gebliebenen Gästen die Venus als Abendstern. Sie stand gerade in Halbphase – eine Erscheinung, die viele Schaulustige an den Mond erinnerte. Auf dem Programm standen ausserdem der farbige Doppelstern Albireo, ein Kugelsternhaufen und ein ringförmiger Gasnebel.
Und dann war da noch der
«Jubiläumsstern» 43 Beta Com im Sternbild Haar der Berenike. Er ist 30 Lichtjahre von der Erde entfernt. «Sein Licht ist also genau so lange zu uns unterwegs, wie es den Sternwartenverein gibt», sagt Bersinger. Ein passender Abschluss für einen Abend, an dem sich 30 Jahre Vereinsgeschichte und ein besonderes Himmelsschauspiel begegneten.
Janik Schmid